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Aufgetautes Fleisch sollte konsequent gekennzeichnet werden

Mariniertes Fleisch
© contrastwerkstatt - fotolia.com

Wer Fleisch aus der Kühltheke kauft, erwartet frische Ware – das zeigen Verbraucherumfragen.

Die EU-Lebensmittelinformationsverordnung sieht auch grundsätzlich vor, dass verpackte Lebensmittel, die nach der Herstellung tiefgefroren und wieder aufgetaut wurden, mit einem Auftauhinweis gekennzeichnet werden müssen. Doch es gibt einige Ausnahmen, in denen der Hinweis entfallen darf:

  • Wenn eine oder mehrere Zutaten vorher eingefroren waren, nicht aber das ganze Endprodukt.
  • Wenn das Einfrieren ein „technologisch notwendiger Schritt beim Herstellungsprozess“ ist – beispielsweise beim Lachs, der nur durch das Einfrieren in dünne Scheiben geschnitten werden kann.
  • Bei Fischprodukten, die aus Gründen des Gesundheitsschutzes nach dem Fang gefroren wurden.
  • Bei Lebensmitteln, bei denen das Einfrieren keine negativen Auswirkungen auf die Qualität hat – beispielsweise bei Butter.

Die Verpflichtung gilt außerdem in der Regel nicht für lose Ware.

Generell darf ein Fehlen des Hinweises den Käufer nicht irreführen. Eine Irreführung kann zum Beispiel dann vorliegen, wenn aufgetautes Fleisch als „frisch“ beworben wird.   

Aus unserer Sicht ist nachvollziehbar, dass einzelne Zutaten nicht in jedem Fall gekennzeichnet werden müssen, wenn sie einem Lebensmittel zugefügt werden. Zum Beispiel machen aufgetaute Kräuter in vielen Lebensmitteln nur einen geringen Anteil aus.

In der Praxis bedeutet die Ausnahmeregelung für Zutaten allerdings, dass Verbraucher auch dann nicht über das vorausgegangene Einfrieren informiert werden, wenn eine Hauptzutat betroffen ist. Mariniertes Fleisch beispielsweise muss keinen Auftauhinweis tragen, wenn das Fleisch, also die Hauptzutat, zwischenzeitlich eingefroren war. Ein Auftauhinweis ist nur dann erforderlich, wenn das bereits marinierte Fleisch – also nach der Herstellung – eingefroren und wieder aufgetaut wurde.

Verbraucheranfragen zeigen, dass Kunden oft davon ausgehen, dass vorverpacktes, mariniertes Fleisch aus der Kühltheke frisch ist. Die Verbraucherzentrale hält diese Ausnahmeregelung für wenig verbraucherfreundlich.    

Lebensmittelklarheit.de fordert den Gesetzgeber auf, den Auftauhinweis zur Pflicht zu machen, wenn rohes Fleisch die primäre Zutat darstellt, die über 50 Prozent eines Lebensmittels ausmacht, und tiefgefroren und aufgetaut wurde. Die Kennzeichnungspflicht sollte auch für lose Ware gelten.

Stand 
14. September 2016