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Fleisch aus der Initiative Tierwohl

Man kann nicht erkennen, ob das Fleisch unter besseren Bedingungen gehalten wurde.

Frage:

Ich habe kürzlich Fleisch vom Discounter gekauft, auf dem stand: "Mit dem Kauf von Fleisch und Wurst vom Schwein aus unserem Sortiment unterstützen Sie den Wandel zu einer tiergerechteren Haltung". Dahinter (diesmal nicht fettgedruckt) steht in etwas kleinerer Schrift: "Diese Information bedeutet nicht, dass die erworbenen Produkte bereits vollständig aus teilnehmenden Betrieben der Initiative stammen." Als Verbraucher kann man nicht erkennen, ob das erworbene Fleisch denn nun schon komplett, teilweise oder überhaupt nicht von Tieren stammt, die unter besseren Bedingungen gehalten wurden. Meiner Ansicht nach sollte der Discounter das „Initiative-Tierwohl“-Logo und den dazugehörigen Text lediglich auf Produkten abdrucken, in denen auch tatsächlich nur Fleisch aus „Initiative-Tierwohl“-Ställen steckt, da es sich sonst um eine Verbrauchertäuschung handelt.

Antwort:

Sie haben recht: Das Mehr an „Tierwohl“ kann man anhand der Produkte nicht erkennen. Tatsächlich ist das Prinzip der Initiative Tierwohl so, dass Landwirte, die einige Kriterien der Initiative erfüllen, finanziell gefördert werden. Das Fleisch wird aber nicht gesondert gekennzeichnet.

Die Initiative funktioniert so, dass die teilnehmenden Unternehmen wie Aldi, Lidl, Edeka oder Rewe 6,25 Cent pro Kilogramm Fleisch, das sie einkaufen, in einen Fonds einzahlen. Mit dem Geld aus diesem Fond werden Landwirte bezahlt, die einige Kriterien für eine verbesserte Tierhaltung umsetzen. Dies sind als Pflichtanforderungen zum Beispiel zehn Prozent mehr Platzangebot sowie ein jährlicher Stallklimacheck. Dazu können freiwillig weitere Kriterien gewählt werden. Ein Großteil der Anforderungen geht allerdings nur minimal über die gesetzlichen Vorgaben hinaus. Zudem bedeutet es nicht, dass die Handelsunternehmen ihr Fleisch auch von den geförderten Betrieben beziehen. Nur für unverarbeitetes Geflügelfleisch ist bereits für 2018 geplant, dass Produkte aus teilnehmenden Betrieben gesondert gekennzeichnet werden sollen.    

Auch aus unserer Sicht ist die Initiative wenig transparent. Verbraucher, die Wert auf besseren Bedingungen in der Tierhaltung legen, wollen auch speziell „tierfreundlicher“ erzeugte Waren kaufen. Dies ist aber bei der Brancheninitiative nicht zu erkennen. Außerdem liegen die Mindestanforderungen der Initiative oft nur minimal über den gesetzlichen Standards.

Grundsätzlich können freiwillige Siegel und Initiativen aus unserer Sicht keine gesetzliche Regelung ersetzen. Die Verbraucherzentralen fordern eine EU-weit einheitliche, mehrstufige Kennzeichnung, die staatlich kontrolliert wird – etwa analog der Eierkennzeichnung. 

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Letzte Änderung 
13. Februar 2018

Kommentare

"Initiative mehr Tierwohl" bedeutet nicht Tierwohl sondern bei einem Schwein z.B. nur 5cm mehr Platz im Stall. Also nur Verbraucherverdummung. Dafür mehr geld zu zahlen ist dem Schwein vollkommen egal.