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Mengenangaben bei Limonaden

Darf sie bei sehr kleinen Mengen entfallen?

Frage

Bei einem Erfrischungsgetränk ist mir aufgefallen, dass der Hersteller für keine der Sorten den Anteil der "sortenbeschreibenden" Frucht angibt. Nun habe ich erfahren, dass laut Lebensmittelkennzeichnungsverordnung die verpflichtende Angabe der Menge nicht gilt für eine Zutat oder Gattung von Zutaten, die in geringer Menge zur Geschmacksgebung verwendet wird. Ich bin nun unsicher darüber bzw. habe Zweifel, ob dies in der LMKV so gemeint sein kann. Wenn die Sorte des Getränkes "Holunder" lautet, muss dann nicht der Mengenanteil angegeben werden? Ich denke, dass insbesondere dann, wenn der Anteil so gering ist, dies eine Relevanz für den Verbraucher hat.

Antwort

Sie haben die entscheidende Ausnahmeregelung bereits gefunden. Sie gilt speziell für Lebensmittelzutaten, die nur in einer sehr geringen Menge vorhanden sind – meist geht man von maximal zwei bis drei Prozent aus. Fehlt die Mengenkennzeichnung einer beworbenen Zutat, so können Sie also davon ausgehen, dass der Anteil minimal ist. Häufig stammt der Geschmack dann aus Aroma.

Die Mengenangabe von Zutaten ist durch die EU-Lebensmittelinformationsverordnung geregelt. Sie besagt unter anderem, dass die Angabe der Menge einer Zutat oder Zutatenklasse erforderlich ist, wenn diese in der Bezeichnung eines Lebensmittels genannt wird oder durch Worte oder Bilder hervorgehoben ist. Die mengenmäßige Angabe kann jedoch tatsächlich entfallen, wenn die Zutat nur „in kleinen Mengen zur Geschmacksgebung verwendet wird“.

Erfrischungsgetränke sind nicht gesetzlich definiert. Allerdings gibt es die Leitsätze für Erfrischungsgetränke der Deutschen Lebensmittelbuchkommission. Diese besagen, dass eine Zutat, die durch Aufmachung oder bildliche Darstellung hervorgehoben wird in Charakter gebender Menge enthalten sein muss oder sensorisch deutlich wahrnehmbar. Sie geben also keine Mindestmenge vor, wichtig ist nur, dass die Geschmacksangabe zutreffend ist. Wenn die Frucht bildlich dargestellt wird, der Fruchtgehalt aber nur drei Prozent oder weniger beträgt und gleichzeitig Aromen verwendet werden, sollte entweder der Fruchtanteil deutlich erkennbar in Verbindung mit der Abbildung angegeben werden oder auf die Aromatisierung hingewiesen werden, beispielsweise durch die Angabe "mit ...-Geschmack" oder "mit...-Aroma".

Die Situation ist tatsächlich unbefriedigend und immer wieder beschweren sich Verbraucher über solche "Alibizutaten". Lebensmittelklarheit fordert daher die Abschaffung dieser Ausnahmeregelung. Bei beworbenen Zutaten sollten Käufer in jedem Fall die Mengen im Produkt erfahren. 

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Letzte Änderung 
30. Juni 2017