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Fisch aus nachhaltiger Produktion

Frischfisch
© ExQuisine – Fotolia.com

Viele Millionen Tonnen Fische und Meerestiere landen jedes Jahr als Abfall wieder im Meer. Der intensive Fang bestimmter Fischarten ist mit großen Mengen von Beifang verbunden: Meerestiere aller Art, die in die Netze geraten, aber nicht verwertet werden.
Medienberichte über die Aktivitäten und Untersuchungen von Natur- und Tierschutzorganisationen haben die Aufmerksamkeit der Verbraucher erregt. Verbraucher achten verstärkt auf die Angaben der Anbieter zu Fischarten, Fangmethoden und Fanggebieten.
Dies zeigen auch Anfragen an Lebensmittelklarheit.de: Verbraucher wünschen eine Kennzeichnung von Fanggebiet und Fangmethode auf Fisch und Fischerzeugnissen. Sie würden bei ihrer Kaufentscheidung gerne Siegel für nachhaltigen Fischfang nutzen, stehen diesen andererseits aber skeptisch gegenüber.

Fisch aus Aquakultur – eine Alternative?

Um den steigenden Bedarf an Fisch zu decken, wird immer mehr Fisch in Aquakultur erzeugt. Aquakultur ist die kontrollierte Aufzucht von Fischen und Meerestieren in angelegten Teichen oder natürlichen Gewässern. Fast die Hälfte des Bedarfes an Süß- und Salzwasserfischen und Meeresfrüchten wird mittlerweile über die Aquakultur gedeckt. Doch auch diese Methode hat ihre Tücken.

Zu den Hauptproblemen der Aquakultur zählen

  • zu hohe Besatzdichte und damit verbundene höhere Anfälligkeiten der Tiere für Krankheiten,
  • die Notwendigkeit, Raubfische wie Lachs mit Fischen zu füttern,
  • die Flucht von Fischen aus den Aquakulturanlagen, die langfristig die Wildpopulation vertreiben,
  • der Antibiotikaeinsatz und
  • die Zerstörung von Mangrovenwäldern in Asien, um die entstandene Fläche für die Garnelenzucht zu nutzen.

Informationsmöglichkeiten rund um Fischfang und Aquakultur

Der nachhaltige Einkauf von Wildfisch und Fisch aus Aquakultur ist alles andere als einfach. Hilfestellungen bieten einige Informationsquellen, freiwillige Kennzeichnungen und Siegel.

Internetangebot „Fischbestände online“

Die Datenbank enthält Informationen zum Zustand der für den deutschen Markt bedeutsamen Fischbestände. Eigenen Angaben zufolge richtet sich das Portal sowohl an die interessierte Öffentlichkeit als auch an den Handel und die verarbeitende Industrie. Bewusst findet keine Bewertung von Fischarten, sondern nur eine Auflistung von Fakten statt.

Derzeit sind Fischdatenblätter zu zwölf Fischarten verfügbar. Sie enthalten allgemeine Informationen zur Fischart (zum Beispiel Aussehen, Verbreitung oder wirtschaftliche Bedeutung) und  Daten zu den einzelnen Beständen einer Art (beispielsweise Fangmenge oder Zustand der Laicherbiomasse). Die Datenbank wird bis Ende 2012 kontinuierlich erweitert.

Initiative „Genauere Fanggebietskennzeichnung für Seefische“

Bereits im Jahr 2008 haben die Mitglieder des Bundesverbandes der deutschen Fischindustrie und des Fischgroßhandels e.V. beschlossen, die in Deutschland vermarkteten Erzeugnisse der Seefischerei spätestens bis Ende 2010 freiwillig genauer zu kennzeichnen, als es vom Gesetzgeber vorgeschrieben ist.

Beispiel
Pflichtangabe:     gefangen im Nordostatlantik
Genauere Kennzeichnung:   gefangen im Nordostatlantik (Nordsee)

Dies soll auch auf verarbeiteten Produkten wie Fischkonserven oder Fischsalaten erfolgen, die laut Fischetikettierungs-Verordnung gar keinen Hinweis auf das Fanggebiet tragen müssen.
Teilweise werden die Fanggebiete allerdings nach folgendem Prinzip codiert:

  • Nennung des FAO-Fanggebiets
  • Zweistelliger Code für das genaue Fanggebiet
  • Zwei Stellen für die Angabe des Fangjahres

Zum Beispiel wird für Hering, gefangen im Jahr 2009 in der Nordsee, folgender Code vergeben: FAO 27-16-09. Die Bedeutung dieses Codes erfährt der Käufer erst nach Recherche auf der angegebenen Website.

Siegel für nachhaltige Fischerei

MSC-Siegel

MSC ist die Abkürzung für Marine Stewardship Council. Er wurde von der Umweltorganisation World Wide Fund For Nature (WWF) und dem Lebensmittelkonzern Unilever gegründet.
Seit über zehn Jahren ist der MSC eine unabhängige Organisation, die sich vorrangig über die Zuwendungen von Stiftungen, Treuhandgesellschaften und staatlichen Organisationen sowie über Lizenzgebühren für die Logonutzung finanziert.

Nach dem MSC-Umweltstandard können sich alle Fischereien, die Wildfisch aus Süß- und Salzwasser sowie Meeresfrüchte fangen, zertifizieren lassen.

Ökologisch erzeugter Fisch

Seit Anfang 2009 enthält die EG-Öko-Verordnung auch gesetzliche Vorschriften zur Erzeugung von Aquakulturtieren.

Die Verordnung regelt die

  • Herkunft
  • Haltung, zum Beispiel Besatzdichten und Wasserqualität
  • Fütterung
  • Methoden zur Krankheitsvorsorge und zur tierärztlichen Behandlung von Fisch und Meeresfrüchten aus ökologischer Aquakultur.

Der Einsatz von Hormonen ist bei der Erzeugung von Aquakulturtieren verboten.

Der Bioanbauverband Naturland verfügt über eigene Richtlinien für die ökologische Aquakultur. Diese sind in einigen Bereichen strenger als die Vorschriften der EU-Öko-Verordnung.  Zusätzlich hat Naturland Richtlinien für Nachhaltige Fischerei  (für Wildfisch aus Binnen- und Meeresfischerei) entwickelt.

Auch in den Richtlinien anderer Bioanbauverbände gibt es Regelungen für in Aquakultur erzeugten Fisch.

Einkaufsratgeber

Der WWF und Greenpeace geben Fischratgeber für den nachhaltigen Fischeinkauf heraus. Diese sind in Heftform, als Download im Internet oder als App für Smartphonenutzer erhältlich. Für die Bewertung verschiedener Fischarten werden unterschiedliche Systeme benutzt. Während WWF die Fischarten in die Kategorien „Gute Wahl“, „zweite Wahl“ und „lieber nicht“ einteilt, findet bei Greenpeace die Zuordnung in die Kategorien „vertretbar“ und „nicht vertretbar“ statt.

Einschätzung aus Sicht der Verbraucherzentrale

Aus Sicht der Verbraucherzentralen benötigen Verbraucher, die beim Fischeinkauf auf Nachhaltigkeit achten möchten, eine bessere Kennzeichnung von Fisch und Fischerzeugnissen. Nicht nur für unverarbeiteten Fisch, sondern auch für Fischerzeugnisse sollte die Angabe des Fanggebietes verpflichtend sein. Dabei sollten neben dem FAO-Fangebiet (z.B. Nordostatlantik) auch das Subfanggebiet (Nordsee) angegeben werden.

Wünschenswert wäre zudem ein einheitliches Siegel mit gesetzlich festgelegten Mindestanforderungen an nachhaltig gefangenen oder erzeugten Fisch.

Zudem sollte bereits auf der Ebene der Fischereien und Aquakulturbetreiber, aber auch des Handels und der Fischindustrie verstärkt auf nachhaltigen Fischfang bzw. nachhaltige Fisch-Einkaufspolitik geachtet werden.

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Letzte Änderung 
7. Februar 2012