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Siegel des Fairen Handels

Tafel mit Aufschrift "Fair Trade", davor Bananen
© Pixelot - Fotolia.com

Der Faire Handel ist seit Jahren auf Wachstumskurs. Zunehmend finden sich fair gehandelte Produkte nicht nur in Weltläden, sondern auch in Supermärkten und Discountern.

Ein einheitliches Siegel für den Fairen Handel mit rechtsverbindlichen Anforderungen gibt es nicht. Stattdessen existiert eine Vielzahl verschiedener Importorganisationen und Siegelinitiativen mit eigenen Logos und Siegeln. Der weltweite Dachverband der internationalen Fair-Handels-Organisationen hat jedoch 1999 eine einheitliche Definition und Ziele des Fairen Handels formuliert.

Grundsätze des Fairen Handels

Oberstes Ziel des Fairen Handels ist die Bekämpfung der Armut und eine gerechtere Weltwirtschaft.

Die wichtigsten Grundsätze sind:

  • Erzeuger erhalten für ihre Produkte garantierte Mindestpreise, die über dem Weltmarkt-Niveau liegen.
  • Langfristige Abnahmeverträge sichern das Einkommen der Erzeuger dauerhaft.
  • Kleinbäuerliche Erzeugergenossenschaften verkaufen bevorzugt direkt an Importeure der Industrieländer. Durch den Ausschluss von Zwischenhändlern kommt der Erlös vollständig den Produzentengruppen zugute.
  • Die nationalen und internationalen Arbeitsschutzrichtlinien werden eingehalten
    -  zum Beispiel Verbot von illegaler Kinderarbeit,
    - sichere Arbeitsbedingungen,
    -  Zahlung von Tariflöhnen und Versammlungsfreiheit.
  • Soziale und ökologische Projekte werden finanziell unterstützt, beispielsweise für Alterssicherung, Schulausbildung und medizinischen Versorgung.
  •  Umweltverträgliche Anbausysteme werden gefördert.

Siegel des Fairen Handels

Fairtrade-Siegel

Das Fairtrade-Siegel ist sicherlich das bekannteste Zeichen für den Fairen Handel. Die Standards für dieses Siegel werden von einer internationalen Dachorganisation entwickelt und überprüft. In Deutschland wird das Fairtrade-Siegel vom Verein TransFair vergeben.

TransFair handelt selbst nicht mit Waren, sondern vergibt als unabhängige Siegelinitiative Lizenzen an Handelsunternehmen, die faire Produkte herstellen oder anbieten. Dies sind sowohl der spezialisierte Einzelhandel, zum Beispiel Weltläden, aber auch konventionelle Unternehmen, die fair gehandelte Produkte in ihr Sortiment aufnehmen. Alle Lizenznehmer von TransFair können ihre Produkte mit dem Fairtrade-Siegel kennzeichnen. Dafür fallen Lizenzgebühren an. Eine Liste mit den aktuellen Lizenznehmern ist auf der Website von TransFair Deutschland zu finden (s. weiterführende Links in der rechten Randspalte). Auf dem deutschen Markt werden vor allem Kaffee, Tee, Kakao, Honig, Bananen, Südfrüchte, Fruchtsäfte, Wein und Reis sowie Süßigkeiten etwa Schokolade, Fruchtgummi oder Kekse, mit dem Fairtrade-Siegel angeboten.

Bei Mischprodukten, das sind Lebensmittel aus mehreren Zutaten, reicht ein Mindestanteil von 20 Prozent an fairen Zutaten, um das Produkt mit dem Siegel zu versehen. Dabei müssen aber alle Zutaten, die aus Fairem Handel verfügbar sind, auch zu 100 Prozent fair gehandelt sein.

Siegel Naturland Fair

Naturland, ein Verband für ökologischen Landbau, zertifiziert seit 1982 Bio-Lebensmittel. Seit 2010 gibt es zusätzlich das Naturland-Fair-Siegel. Es vereint ökologischen Anbau mit fairen Handelsbeziehungen. Anders als die Siegelinitiative TransFair bezieht Naturland Fair nicht nur wirtschaftlich benachteiligte Länder ein, sondern erweitert die Bezeichnung „fair“ auch auf landwirtschaftliche Erzeugnisse – beispielsweise Milch – aus Ländern mit hohem Pro-Kopf-Einkommen. Die Preise, die die Erzeuger erhalten, orientieren sich nicht an dem günstigsten Anbieter. Sie berücksichtigen Produktionskosten sowie einen angemessenen Aufschlag zur Sicherung der Existenzgrundlage der Landwirte. Naturland Fair arbeitet mit Partnerorganisationen wie dwp oder banafair sowie Anbietern von Bio-Lebensmitteln zusammen. Bei Naturland Fair kann ein Produkt zertifiziert werden, wenn der Anteil der Rohstoffe aus fairem Handel über 50 Prozent des Trockengewichts im Produkt beträgt und die übrigen Rohstoffe nachweislich nach der Naturland Fair Prioritätenliste nicht in fairer Qualität verfügbar sind. In der Zutatenliste werden die fairen Zutaten kenntlich gemacht und ihr prozentualer Anteil angegeben.

Importorganisationen des Fairen Handels

In Deutschland gibt es eine Reihe fairer Importorganisationen mit jeweils eigenem Logo. Am bekanntesten sind:

  • gepa
    Ältestes und größtes Fairhandelsunternehmen Europas, arbeitet direkt mit Kleinproduzenten zusammen, unterstützt und berät sie. Verkauft werden die Produkte über Weltläden, Supermärkte und über das Internet.
  • El Puente
    El Puente, „Die Brücke“, sieht sich als Brücke zwischen Nord und Süd. El Puente ist Direktimporteur und Großhandelsvertrieb von über 140 Projektpartnern. Die Produkte werden hauptsächlich über Weltläden vertrieben.
  • dwp (dritte-welt-partner)
    dwp ist Direktimporteur von über 60 Produzentengruppen. Der Vertrieb erfolgt hauptsächlich über die Weltläden, aber auch durch Aktionsgruppen, Großverbraucher und Naturkostläden.
  • BanaFair
    Der Verein importiert und vertreibt Fair- und Bio-Bananen von Kleinbauernorganisationen, um ihnen den Zugang zum Weltmarkt zu ermöglichen.

Einzelne Anbieter

Darüber hinaus bieten verschiedene Firmen Fairhandelsprodukte nach eigenen Kriterien an, die mit einem Firmensiegel gekennzeichnet sind. Die Firma Rapunzel kennzeichnet ihre Fairen Produkte beispielsweise mit dem „Hand in Hand“-Zeichen.

Forderung der Verbraucherzentralen: Ein einheitliches Siegel und rechtsverbindliche Kriterien

Importorganisationen, Siegelinitiativen, Verbände und der Handel werben mit unterschiedlichen Siegeln und Logos. In einem Marktcheck der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg 2013 wurden 12 verschiedene Logos auf insgesamt 32 Produkten gefunden. Dies ist für Verbraucher unübersichtlich und möglicherweise auch ein Kaufhemmnis.

Nach Auffassung der Verbraucherzentralen wäre ein einheitliches, möglichst EU-weites Siegel auf Basis einer gesetzlichen Definition des Fair-Begriffes und rechtsverbindlicher Kriterien wünschenswert. In diese Richtung wird auf verschiedenen Ebenen auch bereits diskutiert. Bis zu einer konkreten Umsetzung ist jedoch noch viel Vorarbeit zu leisten, da seitens der Hersteller und der Händler viele unterschiedliche Interessen und Traditionen unter einen Hut gebracht werden müssen.

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Letzte Änderung 
21. Januar 2016