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Werbung mit der Herkunft: Halbherziger Täuschungsschutz

Pesto aus Italien?
Pesto aus Italien?

Werbung mit der Region oder einer besonderen Herkunft ist bei Lebensmitteln besonders beliebt. Oft bleibt aber unklar, worauf sich die Angaben beziehen. Stammen die Rohstoffe aus der Region oder fand die Herstellung in der beworbenen Gegend statt?

Täuschen dürfen solche Angaben nicht. Die EU-Lebensmittelinformationsverordnung schreibt deshalb eine verpflichtende Angabe des Ursprungslands oder des Herkunftsorts vor, „falls ohne diese Angabe eine Irreführung der Verbraucher über das tatsächliche Ursprungsland oder den tatsächlichen Herkunftsort des Lebensmittels möglich wäre, insbesondere wenn die dem Lebensmittel beigefügten Informationen oder das Etikett insgesamt sonst den Eindruck erwecken würden, das Lebensmittel komme aus einem anderen Ursprungsland oder Herkunftsort“.

Führt die Aufmachung oder Kennzeichnung eines Lebensmittels also dazu, dass Käufer den Eindruck haben können, die Zutaten würden aus einer bestimmten Gegend stammen oder die Herstellung fände dort statt, dann muss das tatsächliche Ursprungsland oder der Herkunftsort auf der Verpackung stehen.

Das sieht auf den ersten Blick nach einer sinnvollen Vorschrift aus.

Aus Sicht von Lebensmittelklarheit ist die Regelung aber halbherzig. Nach unserer Auffassung sollten Lebensmittelverpackungen grundsätzlich so gestaltet sein, dass sie keinen falschen Eindruck über Ursprung und Herkunft vermitteln. Tatsächlich dient die Vorschrift aber nur dazu, eine täuschende Werbung durch weitere Angaben zu korrigieren – schlimmstenfalls im Kleingedruckten auf der Rückseite.

Das zeigen folgende Produktbeispiele: Plakative Aufschriften wie "Thüringer Land", "original italienische Spaghetti" und „The Real Flavour of India“ vermitteln den Eindruck einer bestimmten Herkunft. Auf der Rückseite stehen dann kleingedruckt die relativierenden Angaben: "hergestellt in Würzburg", "hergestellt in Deutschland" und „hergestellt in Großbritannien“.

Auf diese Weise umgesetzt kann die misslungene Vorschrift täuschender Aufmachung sogar Vorschub leisten, statt diese zu verhindern. Ernst gemeinter Verbraucherschutz sollte anders aussehen.

 

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Letzte Änderung 
17. Juli 2015