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„Würze“ hat mit Gewürzen nicht viel zu tun

Würze
© TsuboyaX - fotolia.com

Ob Würze, Würzmischung oder Gewürzzubereitung: Hinter den ähnlich klingenden Begriffen verbergen sich ganz unterschiedliche Produkte. Nicht jedem Verbraucher sind die Besonderheiten klar. So erhält der Käufer einer Gewürzmischung eine reine Mischung verschiedener Gewürze – also getrockneter Pflanzenteile wie Pfeffer und Kümmel. Wer hingegen eine Würzmischung kauft, bekommt ein Produkt, das überwiegend aus Geschmacksverstärkern, Salz, Zucker oder anderen Trägerstoffen besteht und zusätzlich geschmacksgebende Zutaten wie Gewürze enthält. Manch ein Verbraucher merkt das erst nach dem Kauf.

Auch Kräuter sind Gewürze

Eine rechtlich verbindliche Regelung für die Bezeichnung von Gewürzen und Würzmischungen gibt es nicht. Die verkehrsüblichen Bezeichnungen sind in den „Leitsätzen für Gewürze und andere würzende Zutaten“ des Deutschen Lebensmittelbuchs festgelegt. Demnach sind Gewürze Pflanzenteile, die wegen ihrer geschmacks- oder geruchsgebenden Eigenschaften als Zutaten zu Lebensmitteln bestimmt sind. In der Definition von Gewürzen sind Kräuter sowie Pilze, die wegen ihrer geschmacksgebenden Eigenschaften verwendet werden, eingeschlossen.

Gewürzmischungen bestehen ausschließlich aus Gewürzen   

Verbraucher, die reine Gewürze ohne Geschmacksverstärker oder Aromen kaufen möchten, sind auf der sicheren Seite, wenn sie Produkte kaufen, die als „Kräuter“ oder „Gewürz“ bezeichnet sind. Auch eine Gewürzmischung besteht laut Leitsätzen ausschließlich aus Gewürzen und Kräutern.

Anders bei Gewürzzubereitungen und Gewürzpräparaten: Sie enthalten zwar mindestens 60 Prozent Gewürze, daneben kann der Hersteller aber auch andere geschmacksgebende Zutaten sowie Extrakte oder natürliche Aromastoffe aus Gewürzen zugeben. Noch weniger Pflanzenteile sind in Gewürzsalz enthalten: Dieses besteht zu mehr als 40 Prozent aus Speisesalz sowie zu mindestens 15 Prozent aus Gewürzen. Daneben sind ebenfalls weitere geschmacksgebende Zutaten und Aromen zulässig.   

Hinter „Würze“ verbirgt sich gespaltenes Eiweiß

Der Begriffsdschungel rund um Gewürze hält allerdings noch weitere Definitionen bereit. Würze beispielsweise hat mit Gewürzen wenig zu tun. Hinter dem Begriff stecken vielmehr gespaltene Proteine, die „den Geschmack und/oder Geruch von Suppen, Fleischbrühen und anderen Lebensmitteln beeinflussen.“ Als Ausgangsprodukt hierfür werden eiweißreiche Stoffe, beispielsweise Fleisch, Hefe oder Soja verwendet. Der typische Geschmack von Würzen entsteht aus den verschiedenen Spaltprodukten der Eiweiße, unter anderem Glutamat.

Auch Würzmischungen brauchen keine Gewürze zu enthalten. Sie bestehen überwiegend aus Geschmacksverstärkern, Salz und Zucker oder anderen Trägerstoffen. Die Vorgaben zur Zusammensetzung sind hierfür sehr gering.

Die folgende Tabelle beschreibt die Zusammensetzung der gängigsten Begriffe laut Leitsätzen im Überblick:

Begriff

Das steckt dahinter

Anteil an Gewürzen

Gewürze

Geschmacksgebende Pflanzenteile wie Blüten, Früchte, Samen, Rinden, Wurzeln etc.

100 %

Kräuter

Frische oder getrocknete Blätter, Blüten, Sprosse oder Teile davon

100 %

Gewürzmischungen

Mischungen ausschließlich aus Gewürzen, Kräutern und geschmacksgebenden Pilzen

100 %

Gewürzzubereitungen, Gewürzpräparate

Mischungen aus Gewürzen und weiteren Zutaten, auch Aromen

Mindestens 60 %

Gewürzsalze

Mischungen aus Speisesalz und Gewürzen oder Gewürzzubereitungen, auch mit Würze

Mindestens 15 %

Gewürzaromazubereitungen

Gewürzzubereitungen; Gewürze sind ganz oder teilweise durch Aromen ersetzt

Nicht vorgegeben

Gewürzaromasalze

Gewürzsalze; Gewürze sind ganz oder teilweise durch Aromen ersetzt

Nicht vorgegeben

Würzen

Geschmacksgebende flüssige, pastenförmige oder trockene Erzeugnisse auf Eiweißbasis

Nicht vorgegeben, in der Regel gering

Würzmischungen

Überwiegend aus Geschmacksverstärkern, Speisesalz, Zuckerarten oder anderen Trägerstoffen

Nicht vorgegeben, können enthalten sein

Würzsoßen

Fließfähige oder pastenförmige Zubereitungen mit ausgeprägt würzendem Geschmack aus zerkleinerten oder flüssigen Zutaten

Nicht vorgegeben

 

Aromen, Geschmacksverstärker und andere geschmacksverstärkende Zutaten

In verschiedenen der genannten Produkte sind Zusatzstoffe wie Geschmacksverstärker und Aromen erlaubt. Würzmischungen beispielsweise enthalten in der Regel Geschmacksverstärker, Würzen geschmacksverstärkende Substanzen aus dem Abbau von Eiweiß. Da sich dies kaum aus der Bezeichnung ablesen lässt, sollten Verbraucher die Zutatenliste genau lesen. Die Zusatzstoffe Geschmacksverstärker stehen als solche im Zutatenverzeichnis. Geschmacksverstärkende Substanzen können sich aber auch hinter Begriffen wie „Hefeextrakt“, „Sojaprotein“ und „Würze“ verbergen.  

Einschätzung der Verbraucherzentrale

In den Leitsätzen für Gewürze sind mehrere ähnlich klingende Begriffe mit sehr unterschiedlicher Zusammensetzung definiert. Dass Verbraucher diese nicht immer unterscheiden können, zeigen zahlreiche Anfragen und Meldungen bei Lebensmittelklarheit.

Verbraucher, die Aromazusätze und Geschmacksverstärker – auch bei anderen Lebensmitteln – meiden möchten, sollten die Zutatenliste genau lesen. Nur einzelne Kräuter, Gewürze oder Produkte mit der Bezeichnung „Gewürzmischung“ bestehen zu 100 Prozent aus Gewürzen. Hinter anderen Bezeichnungen wie „Würze“ oder „Würzmischung“ hingegen verbergen sich Produkte oder Zutaten, die mit echten Gewürzen wenig gemein haben. 

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Letzte Änderung 
22. August 2017

Kommentare

sehr informativer Artikel! Danke !


Wann werden endich mal alle Geschmacksverstärker (Glutamat), auch von der Lebensmittellobby gerne als Hefeextrakt, Würze, Sojawürze (nicht Sojasoße), Aroma/Aromen, gekörnte Brühe verbraucherverdummend und verbrauchertäuschend bezeichnet, rigoros verboten? Mittlerweile weiß man doch,daß Geschmacksverstärker sich im Hirn als Plaque absetzen und für Alzheimer und Parkinson verantwortlich sind. Vermutet wird auch MS und ADHS. Warum also, darf die Lebensmittellobby krankmachende Produkte, die auch noch süchtig machen, herstellen und sie auch noch verbreiten? Das könnte man als vorsätzliche Gesundheitsgefährdung bezeichnen. Da die jeweilige ReGIERung nichts tut, sollte das Verbraucherschutzministerium endlich tätig werden, aber das gehört ja auch zur ReGIERung. Also bleiben die Verbraucherschutz-Verbände. Es wird allerhöchste Zeit!

26.9.17