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Cornflakes zu fast 100 Prozent aus Mais trotz 13 Gramm Zucker

 

Mengenangaben im Zutatenverzeichnis für Verbraucher nicht nachvollziehbar

Verbraucherbeschwerde 

Die Cornflakes werden zu 99,1 % aus Mais hergestellt, aber sie sollen auch 13 % Zucker enthalten.
Herr M. aus Lübeck vom 08.11.2016

Einschätzung der Verbraucherzentrale 

Zusammenfassung:

Die Cornflakes werden laut Zutatenliste zu 99,1 Prozent aus Mais hergestellt, der von Natur aus nur durchschnittlich ein Prozent Zucker enthält. Dennoch sollen die Cornflakes laut Nährwerttabelle mehr als 13 Gramm Zucker pro 100 Gramm enthalten. Für Verbraucher sind diese Angaben nicht nachvollziehbar. 

Darum geht’s:

In der Zutatenliste der Cornflakes ist der Maisanteil am Gesamtprodukt mit 99,1 Prozent angeben, gefolgt von Zucker, Honig, weiteren Zuckerarten, Salz und weiteren Zutaten. Die Nährwerttabelle weist einen Zuckergehalt von 13 Gramm pro 100 Gramm aus. Damit liegt der Zuckergehalt wesentlich höher als die aus der Zutatenliste zu errechnende maximale Menge für weitere Zutaten von 0,9 Gramm pro 100 Gramm. Der Verbraucher versteht diese Angaben nicht.

Das ist geregelt:

Die EU-Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV) regelt die Mengenangabe von Zutaten. Sie betrifft Zutaten, die in der Bezeichnung des Lebensmittels genannt oder abgebildet sind oder normalerweise von Verbrauchern mit dieser Bezeichnung in Verbindung gebracht werden, hier die Mengenangabe für Mais durch die Bezeichnung Cornflakes. Normalerweise bezieht sich die Mengenangabe auf den Zeitpunkt der Herstellung. Für Zutaten wie Mais in Cornflakes, die beim Erhitzen Feuchtigkeit verlieren, gibt es eine Ausnahmeregelung. Hier wird die eingesetzte Menge der Zutat auf das Lebensmittel nach der Herstellung bezogen. Beispielsweise werden gemäß Rezeptur 99 Gramm Mais und 11 Gramm Zucker oder Honig eingesetzt. Entstehen aus diesen 110 Gramm Zutaten nach dem Erhitzen 100 Gramm Cornflakes, so ergibt sich als Mengenangabe für Mais 99 Gramm pro 100 Gramm Cornflakes, also 99 Prozent.

Die Nährwertangaben müssen sich auf das fertige Endprodukt beziehen. 

So sieht’s die Verbraucherzentrale:

Cornflakes werden heute meist im so genannten Extrusionsverfahren hergestellt. Dieser Herstellungsprozess führt unter anderem zu einem deutlichen Wasserverlust. Damit verändert sich auch die Zusammensetzung des Endprodukts.

Durch die Ausnahmeregelung, die eingesetzte Maismenge auf die entstehende Menge an Cornflakes zu beziehen, entsteht ein falsches Bild über die Zusammensetzung der Cornflakes: Der Maisanteil wirkt höher und der Zuckeranteil niedriger, als es der Zusammensetzung des Endproduktes entspricht. Wenn beispielsweise der Maisanteil mit 99 Prozent angegeben ist, gehen Konsumenten verständlicherweise davon aus, dass die restlichen Zutaten maximal ein Prozent ergeben können. Tatsächlich ist deutlich mehr Zucker enthalten. Somit kann die Ausnahmeregelung Missverständnisse hervorrufen.

Fazit:

Die Ausnahmereglung der LMIV für Zutaten mit Feuchtigkeitsverlust sollte entfallen.

Status 

Die angesprochene Problematik erfordert aus Sicht der Verbraucherzentralen die Änderung oder Ergänzung einer rechtlichen Regelung. Die Verbraucherzentrale hat das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMEL) am 05.04.2017 um Stellungnahme dazu gebeten. 

Stand 
19. April 2017