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Dreyer Heidekrone

 

Mischung von Honig aus EU-Ländern in Aufmachung wie Heidehonig aus der Lüneburger Heide gerichtlich erlaubt

Verbraucherbeschwerde 

Etikett: Heidekrone, Heidetracht, Lüneburger Heide

Rückseite Hinweis: Honig aus EU-Ländern

Das ist eine klare Täuschung für mich. Ich wollte Heidehonig kaufen.

Herr H. aus Dortmund vom 03.10.2015

Einschätzung der Verbraucherzentrale 

Zusammenfassung

Der Produktname „Heidekrone: Sommer-/Heidetracht“, die Abbildung und die Adresse des Herstellers in der Lüneburger Heide auf der Schauseite legen einen Heidehonig aus der Lüneburger Heide nahe. Nur kleingedruckt im Fließtext auf der Rückseite gibt der Hersteller an, dass es sich um eine Mischung von Honig aus EU-Ländern handelt. Der Hersteller sollte die Sorte und die Herkunft des Honigs bereits auf der Schauseite eindeutig angeben.

Darum geht’s:

Auf dem Etikett wird das Produkt in sehr großer Schrift als „Heidekrone“ und in kleinerer Schrift als „Sommer-/Heidetracht“ bezeichnet. Darunter findet man eine Firmenadresse aus der Lüneburger Heide. Die Zeichnung zeigt ein Gebäude, das wie ein typisches Niedersachsenhaus erscheint. Durch diese Aufmachung der Schauseite ist der Verbraucher davon ausgegangen einen Honig aus der Lüneburger Heide zu erwerben. Als Herkunftsangabe steht im Fließtext auf der Rückseite „Mischung von Honig aus EU-Ländern“.

Das ist geregelt:

Nach der Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV), dürfen Informationen über Lebensmittel nicht in die Irre führen, insbesondere in Bezug auf Art, Identität, Eigenschaften, Zusammensetzung, Ursprungsland oder Herkunftsort und Methode der Herstellung und Erzeugung.

Die deutsche Honigverordnung schreibt vor, das Ursprungsland oder die Ursprungsländer, in dem oder denen der Honig erzeugt wurde, anzugeben. Bei mehr als einem Ursprungsland können folgende Angaben gemacht werden:

  1. „Mischung von Honig aus EU-Ländern“,
  2. „Mischung von Honig aus Nicht-EU-Ländern“,
  3. „Mischung von Honig aus EU-Ländern und Nicht-EU-Ländern“

In den Leitsätzen für Honig sind besondere Beurteilungsmerkmale für bestimmte Honige geregelt. Honige spezifischer botanischer Herkunft entstammen vollständig bis überwiegend den angegebenen Blüten oder Pflanzen. Zum Beispiel ist „Heideblütenhonig“ oder „Heidehonig“ ein Honig aus Nektar von Blüten der Heidekrautarten Calluna vulgaris und/oder Erica spp.

Werden Angaben zum Erntezeitpunkt wie „Frühjahrstracht“ oder „Sommertracht“ gemacht, setzt dies voraus, dass die Bienen den Honig in der entsprechenden Jahreszeit erzeugt haben und der Honig auch zu diesem Zeitpunkt geerntet wurde. Die Bezeichnung „Heidetracht“ ist in den Leitsätzen und der Honigverordnung nicht geregelt.

So sieht’s die Verbraucherzentrale:

Verwendet der Hersteller für sein Produkt Phantasienamen und Abbildungen, dürfen diese den Verbraucher nach der Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV) nicht über die Herkunft täuschen.

Die Bezeichnung „Heidekrone“ beziehungsweise „Heidetracht“, die Angabe einer Adresse aus der Lüneburger Heide und die Abbildung stellen unseres Erachtens einen Bezug zur Lüneburger Heide her. Verbraucher haben daher keinen Anlass, diesen Herkunftsbezug im Kleingedruckten zu überprüfen.

Fazit:

Der Anbieter sollte die Angabe „Mischung von Honig aus EU-Ländern“ in großer, gut lesbarer Schrift auf die Schauseite des Honigglases in unmittelbare Nähe zum Produktnamen schreiben. Ebenso sollte die Sortenangabe eindeutig sein.

Stellungnahme der Dreyer Bienenhonig GmbH, Uelzen

Kurzfassung, erstellt von der Verbraucherzentrale:

Es gibt zwei Gruppen von Honigkunden. Für die eine Gruppe ist die geographische Herkunft des Honigs wichtiger, für die andere die botanische. Heidehonig hat ein unverwechselbares, kräftiges Aroma und eine geléeartige Konsistenz. Heidekrone ist eine Mischung aus Sommerblüten- und Heidehonig, die im Geschmack milder als reiner Heidehonig ist. Diese Eigenschaften werden in erster Linie durch die botanische Herkunft bestimmt, die geografische Herkunft spielt hier eine untergeordnete Rolle.

Stellungnahme Downloads 
Status 

Der Verbraucherzentrale Bundesverband e. V. ist mit seiner Klage vor Gericht leider gescheitert. Unserer Auffassung nach ist die Aufmachung jedoch nach wie vor missverständlich und kann bei Verbrauchern eine falsche Erwartung über die Herkunft des Honigs wecken.

Stand 
4. April 2017