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Zutaten auf alkoholischen Getränken mit mehr als 1,2 Volumenprozent Alkohol, Beispiel Eierlikör

 

Alkoholische Getränke mit mehr als 1,2 Alkohol % vol außer Bier müssen keine Zutatenliste tragen.

Verbraucherbeschwerde 

Fehlende Zutatenliste bei „Sangria“: Auf der Flasche ist keinerlei Zutatenliste abgedruckt. Man weiß nicht, was in dem Getränk verarbeitet wurde.
Herr K. aus Neuss vom 25.03.2018

Auf den Produkten ist keine Allergenkennzeichnung vorhanden. [...] Die Zutaten auf dem Produkt sind unzureichend gekennzeichnet.
Frau K. aus Kassel vom 15.04.2016

Es gibt überhaupt keine Deklaration der Zutaten auf der Flasche, die ohne Umverpackung verkauft wird.
Frau B. aus Forst vom 04.06.2015

Auf einer Radlerflasche werden die Süßungsmittel nicht einzeln deklariert.
Frau B. aus Nordkirchen vom 29.09.2013

Der vor einigen Monaten gekaufte Eierlikör war laut Etikett frei von Farbstoffen, Konservierungsmitteln und Verdickungsmitteln. Der jetzt gekaufte Eierlikör hat hierauf keine Hinweise mehr. Bedeutet dies im Umkehrschluss, dass jetzt Farbstoffe, Konservierungsmittel und Verdickungsmittel enthalten sind? Falls ja, müsste dies dann nicht explizit angegeben sein?

Herr T. aus Mettmann von 16.01.2012

Auf der Flasche finden sich keinerlei Angaben über Inhaltsstoffe – Eier und Alkohol sind klar, aber was ist z. B. mit Farbstoffen, Emulgatoren, Aromen, Verdickungsmitteln, Antioxidationsmitteln etc.? Da hilft auch kein Verweis auf DLG-Prämierung. Warum sieht der Gesetzgeber keine Deklarierungspflicht bei Alkoholmischgetränken vor?

Frau T. aus Düsseldorf vom 05.08.2011

Einschätzung der Verbraucherzentrale 

Zusammenfassung:

Mit Ausnahme von Bier benötigen Getränke mit einem Alkoholgehalt von mehr als 1,2 Volumenprozent keine Zutatenliste. Lediglich auf die Zugabe bestimmter Zusatzstoffe und Zutaten, die allergische oder andere Unverträglichkeitsreaktionen auslösen können, und bestimmter Zusatzstoffgruppen muss trotzdem hingewiesen werden. Aus Sicht der Verbraucherzentrale ist die Abschaffung dieser Ausnahmeregel eine berechtigte Forderung, damit Verbraucher sich über die Zusammensetzung dieser Produkte informieren können.

Darum geht’s:

Verbraucher suchen auf Eierlikör ebenso wie auf anderen Getränken mit einem Alkoholgehalt über 1,2 Volumenprozent vergeblich eine Zutatenliste, die sie sonst von fast allen Fertigpackungen kennen. Sie kritisieren die fehlende Deklaration, die sie im Unklaren über die Zusammensetzung der Getränke lässt.

Das ist geregelt:

Nach der Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV) sind seit 13.12.2014, ebenso wie zuvor bereits nach der Lebensmittelkennzeichnungsverordnung (LMKV), Getränke mit einem Alkoholgehalt von mehr als 1,2 Volumenprozent bis auf Bier von der Kennzeichnung der Zutaten ausgenommen. Ein Hinweis in Form von „enthält …“ muss jedoch für Zutaten erfolgen, die allergische oder andere Unverträglichkeitsreaktionen auslösen können, z. B. Milch oder glutenhaltige Getreide.
Außerdem muss nach der Zusatzstoff-Zulassungsverordnung (ZZulV) das Etikett einen Hinweis auf folgende Zusatzstoffgruppen tragen:

  • Gehalt an Farbstoffen durch die Angabe „mit Farbstoff“
  • Gehalt an Zusatzstoffen, die zur Konservierung verwendet werden, durch die Angabe „mit Konservierungsstoff“ oder „konserviert“
  • Gehalt an Zusatzstoffen, die als Antioxidationsmittel verwendet werden, durch die Angabe „mit Antioxidationsmittel“
  • Gehalt an Zusatzstoffen, die als Geschmacksverstärker verwendet werden, durch die Angabe „mit Geschmacksverstärker“,
  • Gehalt an Schwefeldioxid oder Sulfit von mehr als 10 Milligramm in einem Kilogramm oder einem Liter, berechnet als Schwefeldioxid, durch die Angabe „geschwefelt“.

So sieht’s die Verbraucherzentrale:

Aus unserer Sicht ist es verständlich, dass Verbraucher, auch bei hochprozentigen Getränken eine Zutatenliste wünschen.
Daher sollte die Ausnahmeregel der LMIV für die Kennzeichnung von Zutaten bei alkoholischen Getränken mit mehr als 1,2 Alkohol % vol entfallen.

Status 

Die Verbraucherzentrale hat das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz [aktuell: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft] über die Kennzeichnungsproblematik informiert.

Stand 
11. April 2018