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„Schlagrahm/Schlagsahne“ mit Zusatzstoff Carrageen

 
Bereich 
Erlaubt!

Verbraucher erwarten in Schlagsahne keine Zusatzstoffe

Verbraucherbeschwerde 

Ich dachte, ich kaufe reine Sahne für meinen Geburtstagskuchen. Wenn man früher Sahne im Becher kaufte, war auch nur Sahne drin. Ich weiß, dass Carrageen aus Rotalgen gewonnen wird und im Tierversuch wurden Geschwürbildungen und Veränderungen im Immunsystem festgestellt. Abgesehen davon, wenn ich Sahne kaufe, möchte ich nur Sahne. Oder muss ich jetzt tatsächlich auch bei "reinen" Lebensmitteln nochmal die Zutatenliste suchen. Wieder ein Grund mehr ausschließlich im Bioladen zu kaufen. Aber traurig ist das schon.
Frau P. aus Bad Driburg vom 27.02.2017

Auf der Packung steht als Bezeichnung Schlagsahne. Die Zutatenliste führt jedoch zusätzlich Carrageen als Stabilisator auf. Darf diese Produkt überhaupt Schlagsahne genannt werden? Eine Verwendung als Kochzutat ist nicht mehr möglich, zumal das Carrageen einen seltsam mehligen Geschmack auf der Zunge hinterlässt. Dies ist auch äußerst störend wenn die Sahnezubereitung ;-) als Schlagsahne verwendet wird. Meines Erachtens wurde Carrageen zugemischt, um auf Dauer die Steifigkeit der geschlagenen Sahne zu verbessern, was aber wahrscheinlich nicht verboten ist.
Herr T. aus Berlin vom 28.04.2015

Auch viele Premiummarken bieten in letzter Zeit Schlagsahne (in traditionellen Töpfchen) unter Zusatz von Carragen an. Der entsprechende Hinweis ist nur versteckt in der Zutatenliste zu finden. Bei behandelter Sahne in Plastikflaschen (Kochsahne, Light etc.) erwartet man künstliche Zusätze. Bei "reinen" Milchprodukten (Süße/saure Sahne) erwarte – und will (!) – ich das unverfälschte Produkt. Sahne mit Stabilisatoren sollte nicht als "Frische Sahne" verkauft werden dürfen.
Frau K. aus Bad Homburg vom 21.07.2011

Einfache Schlagsahne (das angegebene Produkt, aber auch viele andere Marken auch in anderen Geschäften), bis auf als Bio gekennzeichnete Produkte enthalten in letzter Zeit Carrageen. Dies steht nicht auf der Vorderseite des Produkts, sondern es steht hinten drauf "Zutaten: Sahne, Carrageen". Bei einem an sich unverarbeiteten Produkt wie Sahne sollte davon auszugehen sein, dass es rein, also unversetzt ist, bzw. nicht ein Teil des verkauften Gewichts durch etwas anderes ersetzt wird. Bei anderen Produkten wie z.B. Salz, welches fluoridiert ist, oder bei gesalzener Butter wird dies klar und deutlich auf der Vorderseite gekennzeichnet. Unverarbeitet Lebensmittel, die in der Regel nicht aus unterschiedlichen Inhaltsstoffen bestehen, wie Mehl, Zucker, Öl und so fort sollten, wenn sie einen Zusatz enthalten, deutlich auf der Vorderseite gekennzeichnet sein - Sahne, carrageenisiert; Butter, gesalzen und so fort!
Herr D. aus Berlin vom 18.07.2011

Auch bei anderen Herstellern stellte ich fest, dass Zusätze in der SAHNE enthalten sind. Ich möchte aber reine Sahne kaufen. Wenn ich zum Beispiel erreichen möchte, dass Schlagsahne steifer wird, dann kann man ja selbst Sahnesteif o. ä. zufügen, aber wenn ich Sahne kaufe, soll auch nur Sahne und nicht Chemie enthalten sein.
Frau R. aus Krummhörn-Greetsiel vom 10.07.2011

Einschätzung der Verbraucherzentrale 

Zusammenfassung:

Als „Schlagrahm“ oder „Schlagsahne“ bezeichnete Sahne erweckt den Eindruck, als handele es sich um ein weitgehend naturbelassenes Produkt ohne weitere Zusätze. Tatsächlich enthält es den Zusatzstoff Carrageen (E 407). Ein Hinweis darauf sollte bereits im Hauptsichtfeld erfolgen, damit Verbraucher Produkte mit und ohne Carrageen-Zusatz leicht unterscheiden können.

Darum geht’s:

Vom Carrageen-Zusatz erfahren Verbraucher erst, wenn sie die Zutatenliste auf der Rückseite der Flasche oder des Bechers lesen.

Das ist geregelt:

Bei dem Zusatzstoff Carrageen (E 407) handelt es sich um ein Verdickungs- und Geliermittel, das aus Rotalgen gewonnen wird. Gemäß der Verordnung über Milcherzeugnisse und der EU-Zusatzstoffverordnung darf Carrageen oder E 407 bei pasteurisierter (= erhitzter) Sahne mit vollem Fettgehalt verwendet werden. Es besteht keine gesetzliche Verpflichtung, das Verdickungsmittel Carrageen auf der Produkt-Vorderseite zu nennen, es genügt die Angabe im Zutatenverzeichnis. Neben Carrageen dürfen auch Zusatzstoffe wie Alginate, Cellulosegummi und Mono- und Diglyceride von Speisefettsäuren in Sahne eingesetzt werden. Laut EG-Öko-Verordnung ist der Zusatzstoff Carrageen oder E 407 auch für Bio-Sahne zugelassen.

So sieht’s die Verbraucherzentrale:

Die Verbraucherbeschwerden zeigen, dass Verbraucher bei Bezeichnungen wie „Schlagrahm“ oder „Schlagsahne“ ein naturbelassenes Produkt erwarten, das analog zu Milch keine weiteren Zutaten enthält. Da auch Schlagsahne ohne Carrageen-Zusatz im Handel ist, sollte  die Kennzeichnungspflicht dahingehend geändert werden, dass ein Hinweis auf den Zusatz von Carrageen bei „Schlagsahne“ oder „Schlagrahm“ bereits im Hauptsichtfeld der Verpackung erfolgen muss. Laut Angaben der Hersteller soll Carrageen ein Aufrahmen (Bildung eines Fettpfropfs unter dem Deckel) verhindern. Tatsächlich dient er nach Auskunft eines Lebensmitteltechnologen einer besseren Stabilisierung (Haltbarkeit) des fertigen Sahneschaumes. Carrageen wird also zur Verhinderung der Pfropfbildung nicht benötigt.

Fazit:

Ein Hinweis darauf sollte bereits im Hauptsichtfeld erfolgen, damit Verbraucher Produkte mit und ohne Carrageen-Zusatz leicht unterscheiden können.

Stand 
9. März 2017