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Angabe 100 unverständlich

Verbraucherbeschwerde 

Wenn 100 % Frucht auf dem Etikett steht, der Inhalt aber aus 1. zum Teil konzentrierten Früchten (also mit einem höherem Zuckergehalt als die Früchte beim Konfitüre herstellen aufweisen würden) und 2. noch Zuckerzusatz besteht, ist das in meinen Augen eine bewusste Irreführung des Verbrauchers. Beschreibung: "100 g Fruchtaufstrich wird hergestellt aus erlesenen 100 g Frucht. Dazu kommen rund 30 g Zucker, Pektin und Citronensäure. Während des schonenden Einkochens verdampfen etwa 30 g Wasser. So entstehen 100 g Fruchtaufstrich." 100 % Frucht heißt für jeden Konsument: nichts anderes dabei, schon gar nicht extra Zucker.
Frau M. aus Wietzen vom 26.11.2016

Der Fruchtaufstrich 100 soll laut ausdrücklichem Aufdruck angeblich "100 g Frucht je 100 g Fruchtaufstrich" enthalten, was schon laut Angaben zur Zusammensetzung auf der Rückseite definitiv gelogen ist und für einen Fruchtaufstrich auch gänzlich unmöglich wäre. Eine dreistere und unverschämtere Verbrauchertäuschung ist mir noch nicht untergekommen.
Herr S. aus Augsburg vom 19.07.2013

Ich kaufe gerne Marmelade mit einem hohen Fruchtanteil und ärgere mich jedesmal über die "100", die suggeriert, dass das Produkt sozusagen aus "100 % Früchten" besteht. Dies wird dann sogar in der dazugehörigen "Erklärung" auf dem Produkt auch so dargestellt. Ich finde das, wenn nicht irreführend, so wenigstens äußerst verwirrend.
Frau G. aus Kämpfelbach vom 16.08.2011

Durch die 100 wird der Eindruck vermittelt, dass der Fruchtanteil sehr hoch liegt. Zusätzlich schreibt der Hersteller auch noch auf der Rückseite "Hergestellt aus 100g Frucht auf je 100g Zutaten". Dann steht noch dabei Erdbeeren teilweise vorkonzentriert. Wenn ich das alles zusammenzähle komme ich auf weniger als 50% Frucht.
Herr K. aus Schwandorf vom 24.07.2011

Die großflächige Grafik "100*" suggeriert viel Frucht in der Marmelade. Vor allem aber der verwirrende Text auf der Rückseite – eine art Rechnung, aus der, wenn man genau liest und sich auskennt, hervorgeht, dass es eigentlich ganz normale Marmelade aus 50% Frucht und 50% Zucker ist – stellt den Nepp dar. "30% Wasser, die dann auch wieder verdampfen" oder so ein Mist. Aber eigentlich ist es schon der Name des Produkts: "* 100 Frucht". Hundert was?! Gramm? Milliliter? Hundert Erdbeeren?
Herr X aus München vom 20.07.2011

Laut Bildseite ein Fruchtaufstrich Pfirsich. Auf der Rückseite: "Hergestellt aus 100g Früchten je 100g". Zutaten: Früchte (Pfirsiche, konzentriertes Pfirsichpürree), Zucker, Zitronensaft aus Zitronensaftkonzentrat, Geliermittel Pektin. Meine Frage: Wie paßt bei 100g Früchten je 100g noch Zucker rein?
Frau S. aus Trittau vom 27.06.2011

Einschätzung der Verbraucherzentrale 

Zusammenfassung:

Bei Konfitüren, Fruchtaufstrichen und Co. ist es handelsüblich mit einer Zahl auf der Schauseite zu werben, die über den Fruchtgehalt Auskunft gibt. Bei Fruchtaufstrichen, die mit der Zahl 100 werben, kann bei Verbrauchern leicht der Eindruck entstehen, dass das Produkt zu 100 Prozent aus Früchten besteht. Die Angabe „hergestellt aus 100 g Früchten je 100 g Fruchtaufstrich“, die sich auf das Enderzeugnis Fruchtaufstrich bezieht, verstärkt diesen Eindruck zusätzlich. Dies entspricht jedoch häufig nicht den Tatsachen. Aus Sicht der Verbraucherzentrale sollte bei diesen Produkten die Werbung mit der Zahl 100 entfallen und grundsätzlich der tatsächliche Anteil der Früchte in Prozent im Zutatenverzeichnis angegeben werden.

Darum geht’s:

In der Konfitürenverordnung sind u. a. die Fruchtgehalte für „Konfitüre extra“ (Fruchtgehalt von mindestens 45 Prozent) oder „Konfitüre“ (Fruchtgehalt von mindestens 35 Prozent) gesetzlich geregelt. Der Mindestfruchtgehalt für Fruchtaufstriche ist hingegen nicht gesetzlich festgelegt. Fruchtaufstriche, die mit der Zahl 100 werben, bestehen nicht zu 100 Prozent aus Früchten, da für die Herstellung u. a. auch Zucker verwendet wird. Beispiel: Für die Herstellung eines Fruchtaufstrichs werden 1000 Gramm Früchte und 300 Gramm Zucker eingesetzt. Der tatsächliche Fruchtgehalt beträgt in diesem Fall knapp 77 Prozent.

Das ist geregelt:

Für Konfitüren und Co., bei denen während des Herstellungsprozesses einer Zutat (hier der Frucht) Feuchtigkeit entzogen wird, wird die in der Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV) existierende Ausnahmeregelung angewendet: Sie besagt: Der bei der Herstellung eingesetzte Fruchtanteil wird in Prozent bezogen auf das Endprodukt und nicht auf die – rezepturgemäße – Addition aller einzelnen Zutatenmengen zum Zeitpunkt ihrer Verwendung bei der Herstellung angegeben. Beispiel: Bei Verwendung von 1000 Gramm Früchten und 300 Gramm Zucker werden den Früchten etwa 300 Gramm Feuchtigkeit entzogen. Der Fruchtanteil wird nicht auf 1300 Gramm, sondern auf 1000 Gramm bezogen. Dadurch ergibt sich rein rechnerisch der Fruchtanteil von 100 Prozent.

So sieht’s die Verbraucherzentrale:

Um falsche Verbrauchererwartungen zu vermeiden, sollte aus Sicht der Verbraucherzentrale die Ausnahmeregelung der LMIV entfallen und grundsätzlich der tatsächliche Anteil der Früchte in Prozent bezogen auf den Zeitpunkt ihrer Verwendung bei der Herstellung im Zutatenverzeichnis angegeben werden. Nur auf diese Weise können unrealistisch hohe und für Verbraucher unverständliche Angaben wie „100“ vermieden werden.
Die Angabe „Hergestellt aus 100 Gramm Frucht je 100 Gramm“ kann als zusätzliche Verbraucherinformation auf dem Etikett ergänzt werden, wobei der Verbraucher hieraus nicht die prozentuale Zusammensetzung des Produktes, genauer das Verhältnis zwischen Fruchtanteil und zugesetztem Zucker ableiten kann.

Status 

Die angesprochene Problematik erfordert aus Sicht der Verbraucherzentralen die Änderung oder Ergänzung einer rechtlichen Regelung. Die Verbraucherzentrale hat das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) am 03.02.2012 um Stellungnahme dazu gebeten.

Stand 
30. November 2016