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Würzmischungen, Beispiel Muskatwürzer ohne geriebene Muskatnuss

 

Würzmischungen dürfen nach den Leitsätzen hauptsächlich aus Trägerstoffen bestehen

Verbraucherbeschwerde 

Die Bezeichnung "Muskatnuss-Würzer" suggeriert, es handle sich schlicht um gemahlene Muskatnuss, mit der man für gewöhnlich würzt und nicht wie hier um eine Würzmischung aus Weizenkleie mit nur 10 % Muskatnuss-Anteil. Auch wenn dem Hersteller rechtlich vermutlich nichts vorzuwerfen ist, weil sich das Produkt durch den Zusatz "Würzer" von eigentlicher gemahlener Muskatnuss absetzt, so fühle ich mich dennoch getäuscht. Ich habe das Produkt gekauft in dem Glauben, Muskatnuss zu bekommen, stattdessen musste ich beim ersten Würzen damit feststellen, dass Farbe und Mahlgrad des Produkts von gewohnter Muskatnuss abweichen und erst ein genauer Blick auf die Zutaten hat Klarheit verschafft.
Frau F. aus Berglen vom 01.11.2016

Die Aufmachung der Würzmischung suggeriert dem Verbraucher ein gesundes Produkt, dass primär aus Gemüsen und Kräutern besteht. Ein Blick auf die Rückseite  offenbart, dass sich das Produkt in Wahrheit zu 85% aus "unraffiniertem Meersalz" und lediglich "12 % Kräutern und 3 % Gemüse" zusammensetzt. Mit anderen Worten: der Kunde erwirbt ein (nebenbei noch recht teures) Meeressalz mit Gemüse und Kräuterbeimischung.
Herr H. aus Neustadt/Weinstr. vom 10.05.2015

Das Produkt enthält in erster Linie Speiseweizenkleie, dann natürliches Muskatnussaroma, Speisesalz und Gewürzextrakt.
Es ist nicht sofort zu erkennen, dass dies kein reines Produkt ist, sondern eine Mischung mit Zutaten. Ich erwarte in einem typischen Gewürzglas ein Gewürz und unterstelle absichtliche Täuschung.
Frau G. aus Wegberg vom 14.09.2014

Einschätzung der Verbraucherzentrale 

Zusammenfassung:

Nach Ansicht der Verbraucherzentrale sollten Produktbezeichnungen die Lebensmittel verbraucherverständlich beschreiben. Beim ersten Blick auf die Verpackung sollte der wesentliche Charakter der Produkte erkennbar sein. Dies ist nach Ansicht der Verbraucherzentrale mit der Bezeichnung „Muskatwürzer“ nicht gelungen, wenn sich nach den Leitsätzen für Gewürze dahinter eine aromatisierte und gewürzte Speiseweizenkleie verbergen darf.

Darum geht’s:

Das Muskatwürzer genannte Produkt steht im Handel im Gewürzregal. Das Produkt besteht neben wenigen Würzzutaten fast vollständig aus Speiseweizenkleie. Bestandteile von Muskatnuss enthält es nur als natürliches Aroma aus der Muskatnuss.
Durch den Produktnamen hat die Verbraucherin im Glas geriebene Muskatnuss erwartet.

Das ist geregelt:

In den Leitsätzen für Gewürze sind Würzmischungen als feste oder flüssige Erzeugnisse beschrieben, die „überwiegend aus Geschmacksverstärkern, Speisesalz, verkehrsüblichen Zuckerarten oder anderen Trägerstoffen bestehen; sie können außerdem Würzen sowie Hefe, Gemüse, Pilze, Gewürze, Kräuter und/oder Extrakte daraus enthalten.“.

Würzmischungen und Streuwürzen (streufähige Würzmischungen) werden „nach ihrer Art, z. B. Curry-Würzer, oder nach ihrem Verwendungszweck bezeichnet, z.B. Grillwürzer, Würzmischung für Spaghetti.“.

So sieht’s die Verbraucherzentrale:

Speiseweizenkleie fällt in großen Mengen als preiswertes Nebenprodukt bei der Herstellung von Weizenmehl (Type 405) an. Sie ist damit für den Anbieter als Rohware um ein Vielfaches günstiger als Muskatnüsse. Verbraucher können und müssen die unterschiedlichen Bezeichnungen der in den Leitsätzen zahlreich definierten Würzmittel, beispielsweise Gewürzmischung, Gewürzzubereitung, Würzen, Würzmischungen, Gewürzsoße…, nicht kennen. Daher ist es unseres Erachtens nachvollziehbar, wenn Verbraucher bei einem Muskatwürzer zumindest einen wesentlichen Gehalt an geriebener Muskatnuss und keine aromatisierte und gewürzte Speisekleie erwarten. Die verschiedenen Würzmittel sollten im Hauptsichtfeld der Verpackungen ausreichend transparent und unterscheidbar beschrieben sein.

Fazit:

Die Leitsätze für Gewürze sollten verbraucherverständliche Bezeichnungen oder eine Ergänzung der Bezeichnungen durch entsprechende Erläuterungen für die Produktbenennung festlegen. Auf eine Aromatisierung sollte ein Hinweis wie „aromatisiert“ oder „mit Aroma“ ebenfalls bereits auf der Schauseite der Verpackungen hinweisen.

Weitere Informationen 
Stand 
4. November 2016