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Studie zeigt: Käufer können Bezeichnungen mit Ortsbezug kaum einschätzen

Produktdummys Käse

Viele Lebensmittel nehmen in ihrem Namen Bezug auf einen Ort oder ein Gebiet. Genannt werden konkrete Städte, zum Beispiel „Nürnberger Würstchen“, oder Regionen wie beim „Sylter Käse“. Auch besondere Naturräume beispielsweise die Alpen werden beworben.

Verbrauchern fällt die Einordnung geografischer Angaben auf Lebensmitteln grundsätzlich schwer. Sie zeigen sich irritiert, wenn auf Verpackungen unklar bleibt, worauf sich solche Hinweise beim Lebensmittel tatsächlich beziehen.

Dies zeigt eine repräsentative Bevölkerungsstudie im Rahmen des Projektes Lebensmittelklarheit.de. Sie hat das Verbraucherverständnis beispielhaft bei den folgenden drei Käsesorten untersucht:

  • Allgäuer Emmentaler: Er trägt eine geschützte Ursprungsbezeichnung (g. U.), die garantiert, dass es sich um ein im Allgäu erzeugtes, traditionelles Produkt handelt, für das sowohl die Milchproduktion als auch die Verarbeitung im Allgäu stattfindet.
  • Harzer Käse:  Es handelt sich um eine traditionelle Käsesorte aus dem Harz. Die Produktion erfolgt dort heute nach Schließung und Aufkauf regionaler Molkereien nicht mehr.
  • „Sylter Käse“: Der Produktnamen hat überhaupt keinen syltspezifischen Produktionshintergrund.

Die Antworten fallen zum Teil sehr ähnlich aus.

Etwa 80 Prozent der Bevölkerung versteht unter der jeweiligen Bezeichnung, dass es sich um eine Käsesorte nach einem regional typischen Rezept handelt:

  • Allgäuer Emmentaler: 78,3 Prozent
  • Harzer Käse: 79,5 Prozent
  • „Sylter Käse“: 82,5 Prozent

Etwa ein Drittel der Verbraucher – im Fall von Allgäuer Emmentaler etwa die Hälfte – geht davon aus, dass die Milch von Milchkühen aus dem bezeichneten Gebiet stammt:

  • Allgäuer Emmentaler: 48,8 Prozent
  • Harzer Käse:  31,1 Prozent
  • „Sylter Käse“: 31,8 Prozent

Auch bei der Frage, ob die Verarbeitung in einer Molkerei in den angegebenen Region erfolgt, differenzieren die Teilnehmer klarer zwischen den Käsesorten.

  • Allgäuer Emmentaler: 43,7 Prozent
  • Harzer Käse: 38,5 Prozent
  • „Sylter Käse“: 29,2 Prozent


Andererseits gehen etwa 30 Prozent davon aus, dass es sich bei den geografischen Angaben um eine reine Werbeaussage handelt und das Produkt nichts mit dem bezeichneten Gebiet zu tun hat.

  • Allgäuer Emmentaler: 28,7 Prozent
  • Harzer Käse:  28,1 Prozent
  • „Sylter Käse“: 30,4 Prozent

Insgesamt wird deutlich, dass die derzeitige Kennzeichnung für Verbraucher unverständlich ist. Der Großteil der Bevölkerung geht von einer regional typischen Rezeptur aus – weitere Zusammenhänge werden mehrheitlich nicht klar erkannt.

So bleiben auch die gravierenden Unterschiede vielen Käufern unklar:
Bei dem EU-weit einheitliche Zeichen „Geschützte Ursprungsbezeichnung“ (g. U.) müssen sowohl Rohstoffe als auch Verarbeitung und Herstellung in einem festgelegten Gebiet erfolgen. Andererseits gibt es Produkte, bei denen weder die Rohstoffe aus der bezeichneten Region stammen noch die Herstellung dort stattfindet.

Letzte Änderung 
2. Januar 2014