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Weniger fürs Geld – Ärgernis Füllmenge

© cosma – Fotolia.com

Was drauf steht muss auch drin sein. Viele Verbraucher nehmen das wörtlich, unter anderem, wenn es um die Füllmenge bei Lebensmitteln geht.

Das zeigen zahlreiche Anfragen an die Verbraucherzentrale: Auch wenn die auf der Verpackung angegebene Menge nur geringfügig unterschritten ist, sind Käufer häufig unzufrieden. Sie sehen die angegebene Menge als verbindliche Zusage über den Inhalt an.

Rechtlich sieht das aber anders aus.

Die Nennfüllmenge – kein Versprechen für den Einzelfall

Rechtlich wird die Füllmenge – das, was tatsächlich in einer Verpackung steckt – von der so genannten Nennfüllmenge, die auf der Verpackung steht, unterschieden.

Die Nennfüllmenge ist eine Pflichtkennzeichnung auf den meisten verpackten Lebensmitteln.

In der Regel wird sie bei flüssigen Lebensmitteln nach Volumen (in Liter oder Milliliter), bei allen anderen Lebensmitteln nach Gewicht (in Gramm oder Milligramm) angegeben. Nur bei wenigen Lebensmitteln darf die Angabe des Verpackungsinhaltes in Stück erfolgen.

Entgegen häufiger Annahmen, ist die Nennfüllmenge aber keine Garantie dafür, dass eine Verpackung tatsächlich genau diese angegebene Menge enthält. Laut Fertigpackungsverordnung gilt für Fertigpackungen gleicher Nennfüllmenge das Mittelwertprinzip. Danach darf die Nennfüllmenge einer Charge im Durchschnitt nicht unterschritten werden. Abweichungen bei den einzelnen Verpackungen sind jedoch zulässig.

Wie groß diese Abweichungen sein dürfen, zeigen die folgenden Tabellen:

Füllmengenanforderungen bei Kennzeichnung nach Gewicht oder Volumen bei Fertigpackungen

Nennfüllmenge in Gramm (g) oder Milliliter (ml)

Zulässige Minusabweichungen

         in %                 in g oder ml

5 bis 50

9

-

50 bis 100

-

4,5

100 bis 200

4,5

-

200 bis 300

-

9

300 bis 500

3

-

500 bis 1000

-

15

1.000 bis 10.000

1,5

-

 

Im Einzelfall – bei höchstens zwei Prozent der Produkte einer Charge  – darf die Abweichung höchstens das Doppelte der Minusabweichung betragen.

Austrocknungsverluste

Zusätzlich kann es bei manchen Lebensmitteln wie Mehl, Brot oder Obst und Gemüse während der Lagerung zu Austrocknungsverlusten, also einem gewissen natürlichen Gewichtsschwund kommen. Auch dies kann dazu führen, dass die tatsächliche und die auf der Verpackung angegebene Füllmengen etwas abweichen. Denn die rechtlichen Anforderungen beziehen sich auf den Zeitpunkt der Herstellung. Die amtlichen Füllmengenkontrollen der Eichämter finden daher in der Regel beim Hersteller statt. Bei Überprüfungen in Supermärkten können nur entsprechende Korrekturwerte für die besagten Lebensmittel herangezogen werden.

Wichtig: Die Küchenwaage kann „lügen“

Ob und in welchem Ausmaß eine Unterfüllung vorliegt, kann nicht mit haushaltsüblichen Waagen ermittelt werden. Die Messungenauigkeit ist hier zu groß. Ergebnisse können nur als grobe Schätzung angesehen werden.

Für alle Reklamationen, die zu gering befüllte Verpackungen betreffen, sind die Eichbehörden der Bundesländer zuständig. Eine Liste mit Adressen findet man unter eichamt.de. (Link siehe rechte Randspalte)

Einschätzung aus Sicht der Verbraucherzentrale

Dass in einer Packung weniger drin stecken darf, als drauf steht, ist für Verbraucher schwer nachvollziehbar. Konsumenten gehen davon aus, dass sie für ihr Geld die genannte Füllmenge erhalten. 

Lebensmittelklarheit.de fordert den Gesetzgeber daher auf, das Mindestmengenprinzip einzuführen. In jeder einzelnen Packung sollte mindestens die genannte Füllmenge enthalten sein.

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Letzte Änderung 
1. November 2016

Kommentare

Hallo, von wegen die Küchenwaage kann lügen. Das ist der Hohn. Eine elektronische Apothekerwaage wurde benutzt und eine Nettoverpackung von Butter der Marke Gut und Günstig, hier Norvind, enthielt lediglich 236 Gramm.
Bei dieser Abweichung ist es einfach gesagt Betrug.
Die Ausreden der Industrie ist daher abgesprochenes Theater und Dummverkaufen von Kunden.


Leider liegen Sie da falsch!
Bei 250g Nennfüllmenge liegt T1 (Tara) bei 11,25 also 11,3g. Da der Herrsteller bis zu 2%, 2×T also T2 abfüllen darf, ist es gut möglich dass Sie eine Packung mit 222,5g erhalten, obwohl 250g drauf steht. Der Hersteller muss aber dem Mittelwert einer Charge nachkommen, was soviel heisst wie dieser MW muss mind. Die Nennfüllmenge haben.


Hier widersprechen Sie jedoch der obigen Tabelle. Entweder man darf lt. Tabelle bei 250 Gramm bis zu9 Gramm weniger,- also 241 Gramm abfüllen, oder man darf auch wie von Ihnen beschrieben auch 222,5 Gramm abfüllen, weil in der Charge den Mittelwert erfüllt wurde. Zu was dann aber überhaupt eine Füllangabe bzw die Berechtigung einer Verbraucherzentrale, wenn Sie das Fehlverhalten von Firmen schön reden bzw nichts effektiv von der Verbraucherzentrale unternommen wird, egal ob bei Lebensmittelfüllmengen, Lebensmittelqualität ( sage nur ranziges und Mineralöl in fast jedem getesten Olivenöl extra virgin), zunehmende Gebrauchsunfähigkeit nach Ablauf der zu gewährenden Garantien, zudem zulässige Abzocke durch Telefonkosten bei Reklamation .... . Mir gings heute genauso: hatte 250 Gramm Linsen-Bulgur-Salat von Vitakrone bei Lidl gekauft. Bereits als ich die Packung öffnete wunderte ich mich über den geringen Inhalt, wog es nach, was ich noch nie tat, und es waren nur 220 Gramm samt Verpackung ! aber so wie ich Ihre Antwort zum Obigen versteh, ist diese Meldung genauso egal wie die vom Obigen. Insofern erwarte ich nichts anderes von Ihnen als dass Sie diese Differenz zugunsten der Firmen auch legal reden und nichts unternehmen , obwohl ca 30 Gramm fehlen.


Feiner Stuten 400gr. --- auf einer Apothekenwaage nur 362gr. also knapp 40gr. vertrocknet :-)


Leider liegt dieses Problem auch bei verpacktem Schinkengeschnetzeltes von Aldi Nord (Transparenz CodeTIL 36297490/1612/L113). 500 g steht auf der Verpackung und 463 g sind nur drin. Egal was die Tabelle sagt: Dieses Mindergewicht ist für mich staatlich unterstützter Betrug am Kunden. Das kein sich kein Schlachter am Verkaufstresen und sichtbarer Waage leisten. Nur findet man immer seltener "den Schlachter in Deiner Nähe", weil die meisten solcher Läden wegen fehlendem Nachwuchs schon geschlossen sind.
Bei Netto ist mir vor Kurzem ähnliches passiert: 600 g abgepacktes Schnitzelfleisch und nur 542 g waren an Fleischgewicht vorhanden. Das sind fast 10 % Mogelpackung.


Ich finde diese Regelung ein Unding! Selbst wenn ich als Verbraucher zu Recht eine Mindermenge bemängele, kann sich der Hersteller immer damit herausreden, dass ich armer Pechvogel eine völlig legale untergewichtige Packung erwischt habe, im Mittel würde es passen. Man beweise ihm doch das Gegenteil...Ich hatte mal eine Mindermenge mit drei(!) genau wiegenden Waagen nachgewiesen und bekam trotzdem zu hören: Die sind ungenau. Richtig frech wird es, wenn man als Ausnahme sogar die doppelte legale Fehlmenge akzeptieren muss. Bei kleinen Mengen ist das sogar fast 1/5, was alles andere als unerheblich ist. Dem Betrug wird Tür und Tor geöffnet, der Verbraucher ist dagegen machtlos. Dabei sind die Hersteller inzwischen mit derart feinjustierbaren Abfüllanlagen ausgestattet, dass eine gramm- bzw. ml-genaue Abfüllung möglich sein sollte und damit eine solche verbraucherunfreundliche Regelung gar nicht mehr notwendig ist. Das mag vor ein paar Jahrzehnten noch anders ausgesehen haben. Stammt das Gesetz womöglich noch aus analogen Zeiten? Dann gehört es schleunigst geändert!


Ich habe heute bei Kaufland (eigentlich nur weil meine Tochter so gerne etwas wiegen wollte) die 1500 Gramm abgepackten teuren Bio Kartoffeln nachgewogen auf der geeichten Kundenwaage (also die, die das Etikett druckt).

Bis auf eine Packung die mit 1506 Gramm inklusive Verpackung drüber lag waren nachgewogene etwa 20 Verpackungen stark untergewichtig. Die meisten lagen zwischen 30 und 50 Gramm unter 1500 Gramm, der Ausreisser waren 1446 Gramm inkl Verpackung.

Leider fehlt mir das Gewicht der Verpackung, aber im Mittel kommt das nichtmals brutto in den legalen Bereich.

Ich hab die Kundeninfo drauf angesprochen und bekam zur Antwort, dass es branchenüblich sein und es häufiger Kundenbeschwerden gäbe, aber die blieben stets ohne Konsequenzen. Weiters wurde mir gesagt ich müsse mich an den Hersteller wenden, wenn mir das nicht gefällt, da Kaufland ja nicht selbst abpacke. Ich vermute mal, da ich als Kunde nicht mit dem Hersteller sondern mit dem Händlern einen Vertrag eingehe ist diese Aussage unsinnig, oder?


Eine genaue Prüfung kann nur das Eichamt vornehmen. Dieses prüft beim Verpacker.  Wenden Sie sich in diesem Fall an das für Sie zuständige Eichamt .